Wenn verbesserte Arbeitsbedingungen auf die Stimmung drücken

Christian Dwenger führt gemeinsam mit Thomas Grünthal die DWENGER GRÜNTHAL Laser - und Feinblechtechnik GmbH in Hamburg-Allermöhe. Er berichtet im Gespräch mit corpus 2 über seine Erfahrungen als Gründer und die Begleiterscheinungen wenn die 3-Mann-Firma zum Unternehmen mit über 85 Mitarbeitern anwächst.

Motivation - eine Frage der Haltung

Am Besprechungstisch sitzt mir ein entspannt gestikulierender Mitvierziger im modernen Ambiente gegenüber. Aus seiner persönlichen Haltung macht er kein Geheimnis. „Gehe ich positiv oder negativ an eine Sache heran? Es gibt im Leben immer zwei Seiten – nur die Sonnenseite alleine gibt es nicht ohne Schattenseite. Wenn ich versuche das Negative nicht wegzuwischen oder auszublenden sondern vernünftig damit umzugehen, mich aber selbst mit der positiven Seite motiviere, dann gehe ich mit Problemen anders um und kann sie als Herausforderung sehen. Es ist eine Frage der persönlichen Einstellung die einen ein bisschen mehr glücklich oder ein bisschen weniger glücklich sein lässt.“ So sucht er die Gesellschaft von Menschen die ähnlich denken und fühlen wie er selbst um sich ein  positives Umfeld zu schaffen.

Delegieren - auch wenn es schwer fällt

Doch was passiert wenn die kleine Gründergemeinschaft zu wachsen beginnt? Dann heißt es  loslassen. Nicht nur das man selbst keinen Einfluss auf jeden einzelnen Mitarbeiter mehr hat, auch die Strukturen verändern sich. „Anfangs habe ich natürlich alles selber gemacht, ich habe die Rechnungen selbst geschrieben und dann fing ich an Aufgaben abzugeben, weil ich nicht alles selbst erledigen kann. Dieser Prozess ist mir nicht leicht gefallen.“ Die andersartige Arbeitsweise zu akzeptieren fiel schwer – aber letztendlich mußte das Ergebnis stimmen. „Viele Firmen die wir kennen und die sich parallel mit uns entwickelt haben sind irgendwann stehen geblieben, weil die entscheidenden Personen alles selber machen wollen und das geht eben nur bis zu einem gewissen Bereich.“

Verbesserungen – mit unangenehmen Nebenwirkungen

Dann kam der einschneidende Punkt wo sich richtig was ändern musste. „Wir sind also Stück für Stück gewachsen und ich habe mich dabei von immer mehr Aufgaben getrennt. Irgendwann kam eine zähe Phase, wo wir uns wie Gummi gegenseitig hin und her gezogen haben.“ Das war 2002 als der Standortwechsels an den Dwengerkamp in das jetzige Firmengebäude erfolgte. „Von einer eher beengten Ausgangssituation wechselten wir auf das 7200 qm Grundstück mit neuer Halle, moderner Ausstattung und reichlich Platz für alle. Doch Euphorie oder gute Stimmung wollten nicht aufkommen, die gewohnte Nähe war weg und was vorher auf Zuruf funktionierte musste auf einmal so funktionieren. Um zu verstehen was das für uns bedeutete muss man sich klar machen, dass wir Einzelanfertigungen herstellen. Zur Zeit bearbeiten wir 400 verschiedene Aufträge von 100 verschiedenen Kunden! Beim Umzug hatten wir 45 Mitarbeiter die Zahl stieg dann zügig auf 60 und es gab noch übergreifende Tätigkeiten im Fertigungsprozess die das steigende Auftragsvolumen eigentlich nicht mehr zuließ. Von 2000 auf 2001 hatten wir eine Umsatzverdoppelung und am alten Standort ein Zelt vor der Halle, wo wir Teile lagerten und bei Regen mussten wir dann das Zelt abkleben, die Umstände waren ganz ganz schrecklich.“ Rückblickend lacht Christian Dwenger in Anbetracht der damaligen Improvisationen und der heutigen schauerlich schönen Schilderung seinerseits. „Als wir dann umgezogen sind, waren die äußeren Bedingungen alle gut, die Mitarbeiter waren viel weiter auseinander gezogen und die Verantwortungsbereiche wurden nochmals feiner strukturiert. Nach zwei Monaten am neuen Standort ergab das Feedback auf eine Mitarbeiterbefragung ein Betriebsklima von 3 plus wobei es vorher bei 1 minus oder 2 plus lag. Die nun fehlende Nähe erwies sich für die Mitarbeiter als emotionale Belastung.“


Teamorientierung – wenn der Erfolg der Kollegen auch der eigene ist

Um die Zusammenarbeit zu verbessern wurden Maßnahmen entwickelt die eine stärkere Teamorientierung fördern sollten. Früher haben die einzelnen Arbeitsgruppen isoliert für sich gedacht, sie haben nur ihre eigenen Aufgaben im Prozess gesehen. Jetzt wird der Auftrag als Ganzes wahrgenommen und nicht mehr nur als Ausschnitt des Fertigungsprozesses. Nun ist der Mann, der den ersten Arbeitsschritt macht, schon daran interessiert für den zweiten Fertigungsschritt alles optimal vorzubereiten weil er das bessere Teamergebnis, wie alle im Team, auf seiner Gehaltsabrechnung sieht. Die Aufgaben die früher beim Fertigungsleiter lagen sind nun Teamverantwortlichen innerhalb des Teams zugeordnet. Die Produktivität wurde bereits im Vorfeld gemessen und die, durch die neue Arbeitsweise erzielte Produktivitätssteigerung wird zusätzlich vergütet. „Durch diese Maßnahme entstanden zunächst Ängste und eine große Unruhe im Unternehmen. Als dann Begriffe wie Akkord und Gruppenterror die Runde machten habe ich den Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung angeboten, nach einer einjährigen Probephase die Maßnahme bei Unzufriedenheit wieder zurückzudrehen. Nach einem Jahr wollte allerdings keiner mehr zur alten Arbeitsweise zurück, wir haben eine Produktivitätssteigerung von 16% erzielt.“ Das sind für die Mitarbeiter monatlich zwischen 100 und 200 Euro mehr. Selbst die beteiligten Unternehmensberater haben durch eine erfolgsorientierte Vergütungsvereinbarung ihr ursprünglich kalkuliertes Festhonorar übertroffen. Die Ausrichtung auf den Teamerfolg und mögliche Verbesserungen im Prozess ließen dann auch die Vergleiche von Vergangenheit und Gegenwart in den Hintergrund treten. „Wenn wir diese Veränderungen damals nicht durchgeführt hätten, dann hätte die Stimmung auch kippen können und größere Probleme wären entstanden.“ Es ist zu spüren, dass Christian Dwenger sich noch heute über den Erfolg der damaligen Maßnahmen freut.

Bei einem Rundgang durch die Produktionshalle, erklärt Christian Dwenger einzelne Werkstücke, er gibt Auskunft zu Materialien, Mitarbeitern und Arbeitsprozessen und benennt auch einige seiner großen Kunden auf deren Vertrauen man hier in der Produktion besonders stolz ist. Zurück im Besprechungsraum gibt es noch ein kurzes Bauteile-Quiz für mich (Nun gut, nicht jede erkennt ein künstliches Hüftgelenk auf Anhieb ; ) und einen Ausblick in die Zukunft des Recycling und der Rohstoffverwertung – doch das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Das Gespräch mit Christian Dwenger führte Beate Teschner für corpus 2.
Beide freuen sich auf einen Dialog und Feedback im Blog.

Informationen zu dem vorgestellten Unternehmen finden Sie unter  www.dwenger-gruenthal.de
Informationen rund um die Unternehmenskommunikation unter www.corpus2.com

Geschrieben in Dwenger Grünthal, Interviews

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